Sagen & Anekdoten /
      Seff, der Rußbuttenhändler (Franz Neukirchner, Göttersdorf)

Seff aus Reischdorf, wie einer nur viel gereist, beredt und keck,
Hatte einst bei seinem Wandern einen unverhofften Schreck.
Aufgereiht zu stattlicher Höhe ist der Butten große Zahl,
Festgeschnürt hat er die Kraxe, frisch geht's über Berg und Tal.
Doch der Sonne heiße Strahlen machen unsern Seff bald warm.-
Heit kimmt schie nuch e Gewittr, 's Hitz, daß gott erborm.
's fliegt mr's Vuglviech su niedrich, doch mr's schie in gonzn Morgn,
Wenn mr a olta Fra begegnt, gieh ich ollemol en Sorgn.
's kom a nuch de Kotz gesprunga, wie ich vo drham wagging,
Wenns net 's bißl Lam drohing, wär kan Schritt ich heit gegonga.
Guckt när hie, dort brängts de Wolkn tormhuch schie fürgeschum,
Grod om Obnd kummt des Wattr! (Ferner Donnern.)
Horcht, es rumplt a schie drum! -
Wertsheiser gits sonst mehr ols nötig, obr wenn mr mol ans braucht,
Is gewiß jo kans ze findn. (Es donnert heftiger)
Jessas! härt när, wie's schie krocht! Bam un Bam un nischt wie Bamr,
Hom se uns do har gesetzt. Weit un brat ka Häußl sieht mr! (Ein starker Schlag.)
Gott sei mr gnadich un barmherzich! Sakrewunne, des wor e Schloch!
Trppn schmeißt's ols wie de Zwonzger, heit ward noch e feinr Toch.
Wättr tu ich su net lafen, dr Storm tut schie de Bamr biegn,
's könnt mr sist de Ruß drsafn, ich wer mich o de Tonn noschmiegn.
's ko ka Tröppl Regn do runtr, Äst sei dro ols wie mei Baa,
Na kroch zu, do stih ich sichr, ko getrust die Geschicht osah!
Holt, do derf ich doch net wartn, 's wär a bißl viel gewocht,
In die huchn Bam heits nei, hommer in dr Schul gesocht.
Dr Krax tuts nischt, die moch do stieh, dr Ruß bleibt trockn wie ner wu.
Ich wär in de Jugend neikriechn, weit genuch is vu dr Tonn,
Heits in die, werds mich net treffn do nei sei a feis Poor Sponn.
Kreiz! Wor des a darbr Puchr, Schlußn schmeißts ols wie de Feist,
Ofn Kup nauf so ne Rettich, könnt mrs schie galam, des beißt.
       (Ein blendender Strahl, dem ein furchtbarer Schlag folgt; die alte
       Tanne liegt in Trümmern.)
Ollmachtger Gott! dos wor mei Letztes, in dr Tonn hots neigeha,
Satt ner o! Of lautr Brocka, lautr Stückla gruß un kla.
Hockt ner o emol e Stangl, gleich werd anr eigesteckt,
Wär des do e Mensch gewasn, Zuchthaus wär ne gonz gewiß.
Wos ko mochn do's Forschtwasn un wenns tut a nuch su bieß,
Garachtr Gott! Wu is de Krax hie? E anzichs Trochbond hängt do drin,
Dr gonzn Butt lautr Spänle, des is ollis, wos gebliebn.
Wenn a ich's könnt nochvergassn, wos werd mei Olte sogn?
Ko ich des Zeich hamtrogn? 's Unglück is net zu ermassn.
Kruzi Terkn! Is dös a Garachtichkeit von Öbern, an orma Teifl ruiniern?
Kunnt er dann Schloch net döbern, mußt er'n grod do har führn?
Mr sollt's net denkn! Bei hallerlichten Toch,
Do war ich doch a sah, wu ich hie schloch!"

Quelle: 'Ortskunde von Reischdorf' von Ernst Fischer